Die Fakten

weltweit

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der UN sind etwa 40,3 Millionen Menschen weltweit Opfer der modernen Sklaverei. Ein großer Teil dieser Menschen wird sexuell ausgebeutet.

Die ILO spricht von 4.8 Millionen Menschen weltweit, die Opfer sexueller Ausbeutung sind. 99 % der betroffenen Personen sind Frauen und Mädchen.

Schätzungen zufolge sind 200.000 - 400.000 Menschen in Deutschland in der Prostitution, die meisten davon sind Frauen und stammen aus osteuropäischen Ländern.

Ermittler der Polizei und Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass 90 % dieser Frauen zwangsweise oder unfreiwillig in der Prostitution sind.

Deutschland

Gesetzeslage

Prostitution, das Betreiben eines Bordells und auch Zuhälterei sind in Deutschland legal. Die aktuell in Deutschland geltenden Gesetze sind das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2002 und das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), das im Jahr 2017 in Kraft getreten ist. Obwohl das ProstSchG den Schutz der Frauen in der Prostitution im Titel trägt, befinden sich Frauen in der Prostitution in einer prekären Lage. Sie erleiden durch die Prostitution körperliche und psychische Schäden, sind sehr oft nicht krankenversichert und leben häufig in Armut. Die Legalisierung der Prostitution in Deutschland führt dazu, dass Menschenhändler unbehelligt Frauen aus dem In- und Ausland in deutschen Bordellen ausbeuten können. Behörden und Polizei stehen diesen Fakten machtlos entgegen, weil das deutsche Recht kaum Möglichkeiten bietet, gegen Menschenhändler und Zuhälter vorzugehen.

Augsburg

bild-01
bild-02

Nach Schätzung der Augsburger Polizei befinden sich ca. 450 Frauen in Augsburg in der Prostitution. Die meisten von ihnen stammen aus Rumänien. Sie sprechen in der Regel kein Deutsch und haben nur eine geringe Bildung. Oft sind sie nur eine kurze Zeit in Augsburg, bevor sie in eine Stadt verschoben werden.

Über das Jahr verteilt sind es zwischen 1.200 und 1.500 Frauen, die in Augsburger Clubs und Bordellen meist unfreiwillig prostituiert werden. Viele der Frauen müssen im Bordell 12 Stunden täglich zur Verfügung stehen, und bis zu 30 Freier bedienen.

Laut dem aktuellen Gesetz müssten Frauen in der Prostitution frei entscheiden können, welche sexuellen Praktiken sie den Käufern anbieten wollen. In der Praxis ist das jedoch selten der Fall: Da viele Frauen in der Prostitution kein oder nur wenig Deutsch sprechen, ist es schwer für sie Forderungen der Käufer abzulehnen.

Viele der Frauen befinden sich in einer prekären finanziellen Situation, was es ihnen erschwert Forderungen der Käufer abzulehnen. Zudem bleibt ihnen meist nur ein Bruchteil des Geldes, das der Freier bezahlt. Die rechtliche Lage in Deutschland ermöglicht diese ausbeuterischen Verhältnisse.

 

Nairas
Geschichte

Die Geschichten betroffener Frauen sind erschütternd. Hier eine wahre Geschichte aus Augsburg

Name und persönliche Hintergründe der betroffenen Frau wurden geändert

Ohne Eltern und ohne Arbeit schien es für Naira aus Ungarn wie ein reiner Glücksfall, als sie sich mit 16 in einen Jungen verliebte, dessen Familie sie aufnahm. Doch aus dem vermeintlichen Glück wurde schnell ein Albtraum. Der Freund war bloß auf Mädchenfang aus. Seine Eltern verkauften Naira in die Prostitution.

Von Menschenhändlern wurde sie nach Augsburg gebracht, wo sie als Prostituierte arbeiten musste. Um noch mehr an ihr zu verdienen, brachte man Naira nach Österreich. Später wurde sie in Bordellen in deutschen Großstädten eingesetzt. Dort erwirtschaftete sie für ihre Zuhälter, je nach erzwungenen Praktiken, bis zu 1000€ am Tag. Für Zwangsabtreibungen wurde sie zwischenzeitlich nach Ungarn gebracht. Danach ging es wieder zurück ins Bordell.

Nairas Gefangenschaft endete, als sie in einem Augsburger Bordell von der Polizei entdeckt wurde. Für viele andere geht der Albtraum weiter.

Buchtipps

buch-1

Frank Heinrich, Uwe Heimowski (Herausgeber)

Der verdrängte Skandal

Menschenhandel in Deutschland

Brendow, 2016

Der verdrängte Skandal“ erzählt die herausfordernden Geschichten von Betroffenen. Eingerahmt werden diese von Hintergrundbeiträgen: über die Rechtslage der Opfer und die Vorgehensweisen der Täter. Aber auch über Mut machende Initiativen, ins Leben gerufen von Menschen, deren Glaube ein Wegschauen nicht zulässt: die Arbeit von „solwodi“ von Sr. Lea Ackermann oder die Hamburger Initiative „Mission freedom“.

 

Mehr zum Buch

buch-2

Manfred Paulus

Menschenhandel und Sexsklaverei

Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu

Promedia, 2020

Als ehemaliger Kriminalhauptkommissar hatte Manfred Paulus sein ganzes Berufsleben mit den Geschäftsfeldern des organisierten Verbrechens zu tun, die sich rund um die Rotlichtmilieus breit gemacht haben. Gemeinsam mit Marietta Hageney, der Leiterin der Frauenorganisation „Solwodi“ in Baden-Württemberg, spürt Paulus nach einem kurzen Rückblick in die Geschichte der Prostitution den „Lieferwegen“ der Frauen- und Kinderhändler nach und erzählt, mit welchen Tricks Mädchen aus Thailand, Nigeria, Rumänien oder Moldawien nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz geschleust und wie ihnen dabei Identität und Würde genommen werden. Der Befund des Buches macht betroffen, umso mehr, als Manfred Paulus
aus langjähriger Erfahrung die Mängel und Schlupflöcher der Gesetzgebung kennt, die es Menschenhändlern und Zuhältern immer wieder ermöglichen, trotz oft erdrückender Beweislage straffrei zu bleiben

 

Mehr zum Buch

buch-3

Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher

Menschenhandel

Die Rückkehr der Sklaverei

SCM Hänssler, 2018

Deutschland ist Umschlagplatz Nummer 1 für die Ware Mensch in Europa. Mitten in unseren Städten existiert eine dunkle Parallelgesellschaft: Zwangsprostitution, Kindersex, illegale Arbeiter, Organhandel oder Kinderbanden. Thomas Schirrmacher klärt auf und zeigt, wie jeder Einzelne helfen kann.

 

Mehr zum Buch

media_95402548

Manuela Schon

AUSVERKAUFT!

Prostitution im Spiegel von Wissenschaft und Politik

tredition, 2021

Buchbeschreibung TBD

 

Mehr zum Buch

71wZRXXgKsL

Simon Häggström

Shadow's Law

The True Story of a Swedish Detective Inspector Fighting Prostitution

 Bullet Point Publishing, 2016

Simon Häggström erzählt erschütternde Geschichten aus seiner Arbeit als schwedischer Kriminalkommissar im Rotlichtmilieu Stockholms. Seine Erlebnisse sind Plädoyers für die gesetzliche Regulierung der Prostitution, die Schweden vor mehr als 20 Jenaern gewählt hat.
Und sie sind Plädoyers für die Menschlichkeit. (Sprache: englisch)

 

Mehr zum Buch

informiere dich

Schattendasein_Logo

Eine Kampagne gegen Menschenhandel in der Prostitution. Hier gibt es Daten, Fakten und die Möglichkeit selber aktiv zu werden.

schattendasein.de

solwodi-neu

Frauenrechtsorganisation, die seit vielen Jahren in Deutschland und weltweit Frauen in Notsituationen helfen. Dazu gehören Prostitution, Frauenhandel, Zwangsheirat, häusliche Gewalt, etc.

solwodi.de

GGM_Logo_final_BK

Ein deutschlandweites offenes Bündnis von
Organisationen und Initiativen, die sich gegen
Menschenhandel einsetzen. Als Verein sind wir
Teil dieses Bündnisses.

GGMH.DE

crop_original_IJM_Logo_ab2014_transparent

Weltweit größte juristische Organisation, die sich gegen Menschenhandel einsetzt. Sie hilft moderne Sklaven zu befreien, Täter aufzuspüren, Rechtslagen in Ländern zu verändern, etc.

ijm-deutschland.de

BuendnisnordischesModell

Weltweit größte juristische Organisation, die sich gegen Menschenhandel einsetzt. Sie hilft moderne Sklaven zu befreien, Täter aufzuspüren, Rechtslagen in Ländern zu verändern, etc.

bündnis-nordischesmodell.de